StartHub Hessen
22.04.2026

Im Fokus: So funktioniert das neue Tech & Data Lab im TechQuartier Frankfurt

Das TechQuartier will Akteuren des Finanzplatzes Frankfurt dabei helfen, das nächste Innovations-Level zu erreichen – mit einem neuen Reallabor. Wie davon auch Start-ups profitieren können.

Stadtansicht von Frankfurt mit Hochhäusern und Baukränen im Vordergrund sowie dem Text 'Tech & Data Lab Frankfurt' und dem Logo 'TechQuartier' © ZeroFilms
TechQuartier
FinTechHessenTechQuartierReallaborTech & Data LabStart-upFrankfurt

Wie entsteht Innovation? Eine Frage, die sich wohl auf ganz unterschiedliche Weise beantworten lässt. Das in Frankfurt ansässige TechQuartier, Deutschlands führendes Innovationszentrum für FinTech-Start-ups, hat nun einen ganz neuen Ansatz vorgestellt: das Tech & Data Lab. Mit dessen Hilfe will das TechQuartier Akteuren des Finanzplatzes Frankfurt dabei helfen, das nächste Innovations-Level zu erreichen. Gleichzeitig sollen auch Start-ups profitieren.

Im Tech & Data Lab entstehen Innovationen für die Finanzbranche

Doch was ist das Tech & Data Lab genau? Ganz vereinfacht ausgedrückt, ein innovativer Ansatz, um Innovationen entstehen zu lassen – in diesem Fall in der Finanzbranche. „Im Tech & Data Lab ermöglichen wir das Erproben von Schlüsseltechnologien, darunter Künstliche Intelligenz, Quantencomputing oder Open Data Software“, erklärt Philip Viertel, Business Development Manager im TechQuartier und für die Einführung des Tech & Data Lab zuständig. Um das Erproben neuer Technologien zu ermöglichen, stellt das TechQuartier einen sicheren digitalen Datenraum zur Verfügung, in dem etablierte Akteure des Finanzplatzes Frankfurt Innovationen testen und validieren können – ohne dass diese Tests Auswirkungen auf die realen Geschäftsabläufe des Unternehmens haben.

Mann mit blondem Haar und schwarzem Poloshirt in einem Büro mit Regalen und Computern im Hintergrund © TechQuartier
Philip Viertel
Business Development Manager TechQuartier

„Viele Corporates und Institutionen am Finanzplatz Frankfurt haben Probleme und Fragestellungen, auf die sie Antworten suchen. Diese Antworten lassen sich nur durch Testen finden.“

„Viele Corporates und Institutionen am Finanzplatz Frankfurt haben Probleme und Fragestellungen, auf die sie Antworten suchen“, verdeutlicht Viertel. „Diese Antworten lassen sich nur durch Testen finden.“ Als konkretes Beispiel nennt der Business Development Manager eine Bank, die eine neue KI-Lösung zur Bewertung von Kreditrisiken einführen möchte. „Eine solche KI-Lösung kann man nicht einfach real im Unternehmen testweise laufen lassen“, sagt Viertel.

Im Reallabor werden Innovationen erprobt – in einer sicheren Umgebung

Genau an dieser Stelle kommt das Tech & Data Lab als „digitaler Sandkasten“ und Innovations-Ermöglicher ins Spiel. Denn hier lässt sich die Innovation mit simulierten Daten in einer sicheren Umgebung quasi auf Herz und Nieren prüfen. Gleichzeitig ist der digitale Datenraum, das sogenannte Reallabor, so konzipiert, dass neben der technischen Machbarkeit der Lösung auch die Vereinbarkeit mit regulatorischen Vorgaben in der Finanzbranche berücksichtigt und geprüft wird.

Konkrete Umsetzung startet Mitte 2026

Nachdem das TechQuartier das Tech & Data Lab im März 2026 offiziell vorgestellt hat, soll es nun im nächsten Schritt an die konkrete Umsetzung gehen. „Dafür arbeiten wir mit Banken und anderen Akteuren des Finanzplatzes Use Cases aus und formulieren Fragestellungen“, erklärt Viertel. In sogenannten Tech-Sprints, zeitlich begrenzten Zeiträumen von acht bis zwölf Wochen, wird dann an der Lösung dieser Fragestellungen gearbeitet. Der Start des ersten Tech-Sprints ist Mitte 2026 geplant.

Mann mit blondem Haar und schwarzem Poloshirt in einem Büro mit Regalen und Computern im Hintergrund © TechQuartier
Philip Viertel
Business Development Manager TechQuartier

„Es ist auch möglich, dass unterschiedliche Teams im Tech & Data Lab parallel an einer Lösung arbeiten, zum Beispiel ein internes Team einer Bank und ein Start-up.“

An dem Punkt, wo es ans Erarbeiten und Testen innovativer Lösungen für die Fragestellungen im Tech & Data Lab geht, wird es auch für Start-ups interessant. Denn besagte Lösungen können auch in Zusammenarbeit mit Start-ups entwickelt werden. „Es ist auch möglich, dass unterschiedliche Teams parallel an einer Lösung arbeiten, zum Beispiel ein internes Team einer Bank und ein Start-up. Dafür stellen wir pro Use Case bis zu fünf Datenräume zur Verfügung“, erklärt Viertel. Die Use Cases werden rechtzeitig vor dem Start des Tech-Sprints öffentlich ausgeschrieben. Wo erforderlich, übernimmt das TechQuartier-Team das Matching zwischen Aufgabenstellern und Lösungsanbietern aus der Start-up-Szene.

Start-ups benötigen für das Tech & Data Lab nicht zwingend ein marktfähiges Produkt

Doch welche Voraussetzungen sollten Start-ups für die Arbeit im Tech & Data Lab mitbringen? Von den Branchen her zeigt sich Viertel offen: „Neben klassischen FinTechs können es auch Start-ups aus anderen Bereichen sein, die Auswirkungen auf den Financial Service-Sektor haben.“ Zugleich müssten Start-ups noch nicht zwingend ein marktfähiges Produkt vorweisen können. „Es kann auch ein MVP sein, wenn er das konkrete Problem löst.“ Allerdings sei das Tech & Data Lab keine Produkt-Demo-Plattform für Start-ups. Zudem müsse die angebotene Lösung erst einmal vorfinanziert sein, betont Viertel.

Wertvolle Kontakte für Start-ups zu Corporates als Kunden oder Investoren

Alles in allem bietet die Mitarbeit im Tech & Data Lab für Start-ups viele Chancen, ist der TechQuartier-Manager überzeugt: Kontakte zu Corporates als möglichen Kunden oder sogar strategischen Investoren, die Chance, die eigene Lösung unter realen und zugleich sicheren digitalen Bedingungen zu testen. „Nicht zuletzt können sich aus fertigen Use Cases durchaus neue Fragestellungen ergeben“, unterstreicht Viertel.

Mann mit blondem Haar und schwarzem Poloshirt in einem Büro mit Regalen und Computern im Hintergrund © TechQuartier
Philip Viertel
Business Development Manager TechQuartier

„Wir wollen mit unserem neuen Angebot eine nachhaltige Stärkung des Finanzplatzes Frankfurt erreichen.“

Mit dem neuen Tech & Data Lab nimmt das TechQuartier bundesweit eine Vorreiterrolle ein. „Unsere Initiative ist als einziges finanzbezogenes Reallabor im Bundesportal Reallabore-Innovationsportal gelistet“, betont Alise Munson, Director Marketing & Communications im TechQuartier. Vorbild für das Tech & Data Lab Frankfurt ist ein vergleichbares Angebot der britischen Financial Conduct Authority.

Im zweiten Schritt wird das Tech & Data Lab um eine weitere Komponente ergänzt

In einem zweiten Schritt plant das TechQuartier, das Tech & Data Lab um eine weitere Komponente zu ergänzen, die sogenannte „Souvereign Supercharge Sandbox“ – in Zusammenarbeit mit NVIDIA, NayaOne, der AI Factory FrankfurtRheinMain sowie Polarise. In der „Souvereign Supercharge Sandbox“ sollen besonders rechenintensive und komplexe KI-, Daten- und Finanztechnologien in den Bereichen Bankwesen, Zahlungen, Kapitalmärkte, Compliance und Finanzmarktinfrastruktur unter souveränen und kontrollierten Bedingungen getestet werden.

Mann mit blondem Haar und schwarzem Poloshirt in einem Büro mit Regalen und Computern im Hintergrund © TechQuartier
Philip Viertel
Business Development Manager TechQuartier

„Wir bieten im TechQuartier schon lange einen physischen Ort, an dem Zusammenarbeit und Innovation möglich werden. Mit dem Reallabor kommt jetzt noch ein digitaler Raum dazu.“

Während sich diese zweite Komponente aktuell noch in der Entwicklung befindet, ist die Vision, die das Tech & Data Lab verfolgt, für Philip Viertel bereits umso klarer: „Wir wollen mit unserem neuen Angebot eine nachhaltige Stärkung des Finanzplatzes Frankfurt erreichen“, betont er. Ein Finanzplatz, auf dem das TechQuartier unverändert eine zentrale Rolle spielt, wenn es um das Schaffen von Innovationen geht. „Wir bieten schon lange einen physischen Ort, an dem Zusammenarbeit und Innovation möglich werden. Mit dem Reallabor kommt jetzt noch ein digitaler Raum dazu“, fasst Viertel zusammen.

Interesse an weiteren hintergründigen Berichten zu Angeboten für Hessens Start-up-Szene? In diesem Beitrag aus unserer "Im Fokus"-Reihe des StartHub Hessen stellen wir den Company Builder von HIGHEST, dem Innovations- Gründerzentrum der TU Darmstadt, vor.

Auch interessant für dich